Mit über vierzig Lebensjahren auf dem Pelz zeigte mir, Jaelle Katz, der kritische Blick in den Spiegel: Die Jahre waren gut. Sehr gut sogar. Denn während dieser Zeit haben sich kleine Speckröllchen wie Jahresringe um den Bauch gelegt. Weil aber inzwischen nicht nur die Hosen kneifen, sondern viele lieb gewordene Kleidungsstücke zu eng wurden, war es Zeit: Zeit für eine Diät. Weil mir Kohlsuppe ganz gut schmeckt, habe ich mich für die Kohlsuppendiät entschieden. Dazu gab es eine ganze Menge Rezepte und Bücher, welche genügend Abwechslung im Speiseplan versprachen.
Mit viel Elan kaufte ich das frische Gemüse ein. Dass es Winter war, störte nicht, im Gegenteil. Denn viele der Zutaten in den unterschiedlichen Kohlsuppen sind ohnehin Wintergemüse, wie Porree, Möhren; Zwiebeln und Rosenkohl, Weiß- und Spitzkohl. Gut, Paprika sind kein Wintergemüse, aber trotzdem lecker in einer Suppe.
Nach kurzem Schnippeln köchelte bald die erste Suppe auf dem Herd und duftete dank der Kräuter verführerisch. Außer einem Kaffee hatte ich an diesem Tag noch nichts gegessen, also wurde der erste Teller meiner Kohlsuppe gleichzeitig Frühstück und Mittagessen. Lecker wars. Ehrlich. Abends gab es den nächsten Teller mit Kohlsuppe, da habe ich mir sogar Nachschlag gegönnt. Das Kindervolk hielt auch Diät: Von der Kohlsuppe selbstverständlich. Während zum Mittagessen die Kohlsuppe noch von allen gelöffelt wurde, gab es am Abend bereits die ersten Proteste. Machte aber nichts, da hatte ich mehr von meinem Süppchen.
Außer Tee und Wasser gab es zur Kohlsuppe nichts dazu. Ich wollte abnehmen, nicht schlemmen.
Am nächsten Tag wieder: Zum Frühstück schwarzen Kaffee. Wer jetzt meckert, dass der nicht gesund sei, der mag vielleicht Recht haben. Aber ehe ich den ganzen Tag mit Streichhölzern die Augenlider stützen muss, weil ich sonst einschlafe, beginne ich den Tag lieber mit einem ordentlichen Kaffee. Mittags gab es wieder Kohlsuppe. Der Topf, in dem ich am Tag vorher die Suppe gekocht hatte, war groß und es war viel Kohlsuppe darin. Diesmal wunderten sich die Kinder schon, dass ich nicht mehr so viel Kohlsuppe auf den Teller schöpfte.
Denn irgendwie schien mein Bauch bereits gefüllt zu sein. War er auch: Leise grummelte er vor sich hin, und entließ ab und an einen kleinen oder größeren Wind, sehr zur Belustigung der Kinder.
Ab jetzt fanden diese meine Kohlsuppendiät witzig. Ich erinnerte mich an einen Tee, den die Jüngste immer gerne trank, wenn sie Bauchweh hatte, mit Fenchel, Anis und Kümmel. Den habe ich mir zu jeder Kohlsuppenmahlzeit gekocht und einen großen Becher davon getrunken. So habe ich die Kohlsuppendiät tapfer eine ganze Woche durchgehalten. Weil ich am ersten Tag ein bisschen zu viel Kohlsuppe im Topf hatte, so dass ich fast drei Tage davon essen konnte, habe ich an den nächsten Tagen weniger davon gekocht. Denn frisch schmeckt auch eine Kohlsuppe viel besser, als imme r wieder aufgewärmt.
Nach einer Woche konnte ich nun wirklich keine Kohlsuppe mehr sehen, geschweige denn essen. Auch der Tee mit Fenchel, Anis und Kümmel ist kein Ersatz für ein Glas Rotwein am Abend. Der Erfolg auf der Waage war trotzdem nur mäßig.
Zu meiner nächsten Diät habe ich dann lieber auf alles verzichtet.